Villa außen_2

Gebäude

“Die Villa Dacqué liegt am gesegnetsten Platze der sonnigen, fruchtbaren Vorderpfalz, am Abhange der rebenbekränzten Haardt, da, wo der Weg zu den benachbarten weinstolzen Orten Deidesheim, Wachenheim und Dürkheim führt. Im Frühjahr, wenn die Mandeln und Pfirsiche blühen und im Herbste, wenn das Laub der Bäume und Reben wärmere Töne annimmt, ist die Landschaft besonders prächtig und die Ansicht über das tiefer liegende Neustadt auf das Haardtgebirge entzückend.“
(Zitat aus der Deutschen Bauzeitung von 1892)

Geschichte

Die Villa Böhm wurde 1886 bis 1889 nach Plänen des bedeutenden Architekten Ludwig Levy (1854-1907) aus Karlsruhe für den Neustadter Bankier Adolf Dacqué (1854-1894) erbaut, innen mehrfach verändert und 1996 bis 2003 aufwändig restauriert. Die späthistoristische zweigeschossige Villa mit ihrem flachen Schieferdach und den vier Eckrisaliten ist im Stil italienischer Villen gehalten.

Das Gebäude diente zunächst den privaten Eigentümern, ihren Familien und dem jeweiligen Dienstpersonal als Wohnhaus. Die Familie des Erbauers bestand aus Adolf Dacqué, seiner Frau Juliane, geb. Kempf (1866-1952) und den zwei Töchtern Emmy und Elisabeth. Adolf Dacqué starb 1894. Seine Witwe heiratete 1896 Karl Graf von Tauffkirchen (1869-1941). Sie und die Kinder veräußerten das Anwesen 1898 an den Großkaufmann Wilhelm Culmann jr. (1863-1948) und seine Frau Hermine, geb. Louis.

Das Ehepaar Culmann verkaufte die Villa 1909 an den Weingroßhändler Kommerzienrat Karl Hoch (1857-1909), der noch im selben Jahr starb. Seine Witwe Lina, geb. Mohr (1862-1944), selbst kinderlos, überließ das Haus ihrer Nichte Maria Hoch, die mit dem Weinhändler Georg Böhm (1879-1951) verheiratet war, und den Kindern Karl und Emmy. Nach der Familie Böhm wird die Villa bis heute benannt.

Ende 1935 verkaufte Lina Hoch das Anwesen an die Stadt Neustadt. Seither wird die Villa als Büro für verschiedene Dienststellen und für kulturelle Zwecke verwendet.

Zunächst überließ die Stadt Neustadt das Gebäude dem damals mächtigsten Mann der Pfalz, dem Gauleiter Josef Bürckel (1895-1944), der dort 1936 sein „Reichskommissariat“ einrichtete. Bürckel war u.a. Gauleiter der pfälzischen NSDAP (seit 1926), Mitglied des Reichstags (seit 1930), Reichskommissar für das Saarland (seit der Rückgliederung des Saargebietes an Deutschland am 01.03.1935), später auch „Reichsstatthalter Westmark (Pfalz und Saarland) und Chef der Zivilverwaltung Lothringen“ (seit dem Waffenstillstand mit Frankreich am 25.06.1940). Er ließ u.a. die saarpfälzischen Juden am 22.10.1940 nach Gurs in Frankreich deportieren, von wo aus die meisten in die Vernichtungslager in Osteuropa kamen und dort umgebracht wurden.

Ab März 1945 nutzten amerikanische und französische Dienststellen das beschlagnahmte Haus, insbesondere die Militärregierung für das südliche Rheinland-Pfalz. 1956 zog das Landesausgleichsamt ein, eine Mittelbehörde des Landes, die 1974 in die Bezirksregierung eingegliedert wurde.

Seit 1970 beheimatet die denkmalgeschützte Villa das Stadtmuseum im Erdgeschoss, die Schauspielgruppe im Park, die Stadtbücherei (bis 1977) und ab 1978 den Kunstverein im Obergeschoss.